Die ersten Tausender waren sofort weg
Denn: Flugtickets und der Umzug sind längst nicht alles. In diesem Blogbeitrag verrate ich dir unsere Kosten und welche Ausgaben viele Auswanderer nicht auf dem Schirm haben.
Klar, wer allein mit zwei Koffern nach Spanien zieht und dort schon einen Arbeitsvertrag hat, braucht natürlich viel weniger Geld als eine Familie, die ihren gesamten Hausstand nach Kanada verschifft und sich vor Ort erst eine neue Existenz aufbauen will. Und trotzdem gibt es Kosten, die bei fast jeder Auswanderung entstehen und die viele bei ihrer Planung vergessen. Seit sechs Jahren spreche ich für meinen Podcast EINFACH AUSSTEIGEN mit Menschen, die sich weltweit ein neues Leben aufgebaut haben. Nach mehr als 300 Gesprächen und zwei eigenen Auswanderungen weiß ich: Nicht unbedingt der Umzug ist die größte finanzielle Hürde, sondern häufig das, was davor und danach passiert.
Es geht schon viel früher los
Eine Auswanderung startet finanziell oft schon Monate vor dem eigentlichen Umzug. Wer sein neues Traumland kennenlernen will, reist in der Regel mehrmals dorthin, schaut sich Wohnungen oder Häuser an und erkundet verschiedene Regionen.
Für eine Erkundungsreise von zehn bis vierzehn Tagen können je nach Reiseziel und Reisestil grob 1.500 bis 4.000 Euro pro Person zusammenkommen. Als wir 2022 von Berlin nach Irland ausgewandert sind, haben meine Frau und ich allein für mehrere Erkundungsreisen und die Wohnungssuche rund 6.000 Euro ausgegeben.
Dazu kommen je nach Zielland Kosten für Visa, Steuerberatung, beglaubigte Dokumente oder die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Bei uns waren es weitere 3.500 Euro für Dokumente, steuerliche Beratung und die Gründung unserer irischen Firma.
Umzug und Wohnung können richtig teuer werden
Ein internationaler Möbeltransport kann mehrere Tausend Euro kosten. Dazu kommen Flugtickets, zusätzliches Gepäck, eine mögliche Zwischenunterkunft und die Einrichtung der neuen Wohnung.
Besonders häufig werden doppelte Mietzahlungen unterschätzt. Wir mussten unser Mietobjekt in Irland beispielsweise schon drei Monate vor unserer Ankunft anmieten, weil wir es sonst verloren hätten. Das kostete uns 4.500 Euro zusätzlich. Hinzu kamen 3.000 Euro Mietkaution.
Und auch beim Umzug selbst kann einiges schiefgehen. Unsere ursprünglich beauftragte Spedition erschien am Umzugstag nicht. Wir mussten kurzfristig eine andere Lösung organisieren und unseren Hausstand zwischenlagern. Insgesamt kostete uns der Möbeltransport am Ende rund 10.500 Euro.
Wer dagegen nur mit wenigen Koffern auswandert und sich vor Ort neu einrichtet, kann viel Geld sparen. Allerdings sollte man vorher vergleichen, was Möbel und Haushaltsgeräte im Zielland tatsächlich kosten.
Ohne finanzielle Rücklagen wird es schnell eng
Eine der wichtigsten Fragen bei der Finanzplanung ist: Wie lange kann ich im neuen Land leben, ohne Geld zu verdienen?
Selbst mit einem Arbeitsvertrag kann es zu Verzögerungen kommen. Vielleicht dauert die Wohnungssuche länger, der Arbeitsbeginn verschiebt sich oder es fallen unerwartete Ausgaben an. Ich empfehle deshalb, zusätzlich zu den eigentlichen Auswanderungskosten einen finanziellen Puffer für mindestens drei Monate einzuplanen, besser für sechs. Wer sich im Ausland selbstständig machen möchte und noch keine festen Einnahmen hat, sollte eher zwölf Monate überbrücken können.
Was kostet jetzt die eigene Auswanderung?
Weil die Frage nach dem nötigen Startkapital so viele Hörer und Hörerinnen auch in meinem Podcast beschäftigt, habe ich aus meinen eigenen Erfahrungen und den Gesprächen mit Auswanderern einen Auswanderer-Finanzplan entwickelt. Damit kann jeder selbst durchrechnen, was die Auswanderung und der Neustart ungefähr kosten werden und wie hoch die Lebenshaltungskosten im neuen Land tatsächlich aktuell sind.
Eine Auswanderung muss kein Vermögen kosten. Ich habe Menschen kennengelernt, die mit wenig Gepäck und kleinem Budget erfolgreich neu angefangen haben – das ist am Ende auch eine Typen-Frage. Andere investieren viele Zehntausend Euro in ihren Neustart.
Entscheidend ist nicht, wie viel Geld andere für ihre Auswanderung ausgegeben haben, sondern ob das eigene Budget zum gewünschten Leben im neuen Land passt. Wer das vorher durchrechnet, kann viele böse Überraschungen vermeiden.
So lässt sich das Startkapital vor der Auswanderung erhöhen
Wer bei seiner Planung merkt, dass das vorhandene Geld nicht reicht, muss seinen Auswanderungstraum nicht gleich aufgeben. Oft lässt sich das Startkapital schon vor dem Umzug deutlich erhöhen. Dazu gehört, Dinge zu verkaufen, die man im Ausland ohnehin nicht mehr braucht: Möbel, Auto, Technik oder andere Wertgegenstände. Das bringt zusätzliches Geld und spart gleichzeitig Transportkosten. Auch laufende Ausgaben bieten Sparpotenzial. Wer unnötige Abos kündigt, Verträge überprüft oder für einige Monate einen Nebenjob annimmt, kann sein Budget aufbessern. Wer später ortsunabhängig arbeiten will, kann außerdem schon vor der Auswanderung erste Kunden gewinnen oder sich ein zweites Standbein aufbauen.
Foto: Ryan Devereux
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